Raspberry Pi als Heimserver – NAS mit OpenMediaVault einrichten 2026
Ein Raspberry Pi als Heimserver ist eine der sinnvollsten Investitionen für Technikbegeisterte: zentraler Datenspeicher, Medienserver, Backup-Station und Smart-Home-Hub in einem Gerät – für unter 100 Euro Betriebskosten pro Jahr. Mit OpenMediaVault (OMV) verwandelst du den Pi in ein vollwertiges NAS-System mit Web-Oberfläche, RAID-Unterstützung und Netzwerkfreigaben.
In diesem Guide richten wir einen Raspberry Pi 5 mit OpenMediaVault 7 als Heimserver ein – von der Installation bis zur ersten Netzwerkfreigabe.
Inhalt
- Warum OpenMediaVault auf dem Raspberry Pi?
- Hardware-Empfehlungen
- OpenMediaVault installieren
- Erste Schritte im OMV-Dashboard
- Festplatte einrichten und Dateisystem anlegen
- SMB-Netzwerkfreigabe einrichten
- Benutzer und Berechtigungen verwalten
- Nützliche OMV-Plugins
- Integration mit Home Assistant
- Troubleshooting
- FAQ
Warum OpenMediaVault auf dem Raspberry Pi?
OpenMediaVault ist ein auf Debian basierendes NAS-Betriebssystem mit einer übersichtlichen Web-Oberfläche. Im Vergleich zu kommerziellen NAS-Lösungen (Synology, QNAP) ist der Raspberry Pi deutlich günstiger im Betrieb:
| Merkmal | Raspberry Pi + OMV | Synology DS223 |
|---|---|---|
| Hardwarekosten | ~80 € (Pi 5 + Zubehör) | ~200 € |
| Stromverbrauch | 5–8 W | 15–25 W |
| Jahresstromkosten | ~10–14 € | ~26–44 € |
| Flexibilität | Sehr hoch (Linux, Docker) | Mittel (DSM) |
| Lernkurve | Mittel | Einfach |
| RAID-Support | Ja (Software-RAID via mdadm) | Ja (Hardware/Hybrid) |
Hardware-Empfehlungen
Raspberry Pi – welches Modell?
| Modell | RAM | USB 3.0 | Empfehlung |
|---|---|---|---|
| Pi 5 (4 GB) | 4 GB | 2× USB 3.0 | Beste Wahl 2026 |
| Pi 4 (4 GB) | 4 GB | 2× USB 3.0 | Gut, günstiger |
| Pi 3B+ | 1 GB | Nein (USB 2.0) | Nicht empfohlen für NAS |
Raspberry Pi 5 (4 GB): ~80 € | Aktueller Preis auf Amazon*
Speicher für Daten – USB-SSD empfohlen
Für die Datenfestplatte gilt: USB-SSD schlägt USB-HDD beim Raspberry Pi. Mechanische Festplatten benötigen oft mehr Strom als USB liefern kann – Stromprobleme sind die häufigste Fehlerquelle.
- Samsung T7 (1 TB): ~80 € – schnell, kompakt, zuverlässig | Preis auf Amazon*
- WD My Passport (2 TB): ~75 € – günstig, für Backup-NAS ausreichend | Preis auf Amazon*
- Argon ONE M.2 Case: ~25 € – M.2-SSD direkt per PCIe am Pi 5 | Preis auf Amazon*
OpenMediaVault installieren
Schritt 1: Raspberry Pi OS Lite flashen
Starte mit einem frischen Raspberry Pi OS Lite (64-bit, ohne Desktop). Der Raspberry Pi Imager ist das einfachste Tool dafür:
1 2 3 4 5 6 7 8 | # Raspberry Pi Imager herunterladen: # https://www.raspberrypi.com/software/ # Beim Flashen im Imager unter "Einstellungen" setzen: # - Hostname: nas-pi (oder eigener Name) # - SSH aktivieren # - Benutzername + Passwort festlegen # - WLAN NICHT konfigurieren (Ethernet nutzen) |
Schritt 2: Pi per SSH verbinden
1 2 3 4 5 6 7 8 | # IP-Adresse herausfinden (Router-Admin oder nmap): nmap -sn 192.168.1.0/24 | grep -A 1 "Raspberry" # SSH-Verbindung: ssh pi@192.168.1.XXX # System aktualisieren: sudo apt update && sudo apt upgrade -y |
Schritt 3: OpenMediaVault installieren
Das offizielle OMV-Installationsskript erledigt alles in einem Durchlauf:
1 2 3 4 5 | # OMV-Installationsskript herunterladen und ausführen wget -O - https://github.com/OpenMediaVault-Plugin-Developers/installScript/raw/master/install | sudo bash # Die Installation dauert 15–30 Minuten # Der Pi startet danach automatisch neu |
Schritt 4: Web-Oberfläche aufrufen
Nach dem Neustart ist OMV unter der IP-Adresse des Pi erreichbar:
1 2 3 4 5 6 7 8 9 | # Im Browser öffnen: http://192.168.1.XXX # Standard-Zugangsdaten: # Benutzer: admin # Passwort: openmediavault # Passwort sofort ändern unter: # Benutzereinstellungen → Passwort |
Erste Schritte im OMV-Dashboard
Das OMV-Dashboard zeigt System-CPU, RAM, Netzwerk-Traffic und Festplattenstatus. Die wichtigsten Menüpunkte:
- System → Allgemeine Einstellungen: Hostname, Zeitzone, NTP-Server
- Netzwerk → Schnittstellen: Statische IP setzen (wichtig für NAS)
- Speicher → Festplatten: Angeschlossene Laufwerke prüfen
- Speicher → Dateisysteme: Partitionen und Dateisysteme verwalten
- Dienste → SMB/CIFS: Windows-Netzwerkfreigaben
Statische IP setzen
Ein NAS braucht eine feste IP-Adresse. Entweder per DHCP-Reservierung im Router (empfohlen) oder direkt in OMV unter Netzwerk → Schnittstellen → eth0 bearbeiten:
- Methode: Statisch
- IP-Adresse: z. B. 192.168.1.100
- Subnetzmaske: 255.255.255.0
- Gateway: 192.168.1.1 (Router-IP)
- DNS: 192.168.1.1
Festplatte einrichten und Dateisystem anlegen
Schritt 1: Festplatte erkennen
Gehe zu Speicher → Festplatten. Die angeschlossene USB-SSD sollte als /dev/sda oder /dev/sdb erscheinen. Klicke auf die Festplatte → „Wischen“ (nur bei neuen Festplatten nötig – löscht alle Daten).
Schritt 2: Dateisystem erstellen
Unter Speicher → Dateisysteme → Erstellen:
- Laufwerk: deine USB-SSD auswählen
- Dateisystem: ext4 (beste Wahl für Linux-NAS)
- Bezeichnung: z. B.
nas-daten
Nach dem Erstellen auf „Einhängen“ klicken – das Dateisystem ist jetzt unter /srv/dev-disk-by-... verfügbar.
Schritt 3: Freigegebene Ordner anlegen
Unter Speicher → Freigegebene Ordner → Hinzufügen:
- Name: z. B.
Dokumente,Fotos,Backup - Dateisystem: das gerade erstellte ext4-System auswählen
- Relativer Pfad: z. B.
Dokumente/ - Berechtigungen: Besitzer lesen/schreiben, Gruppe lesen/schreiben
SMB-Netzwerkfreigabe einrichten
SMB (Server Message Block) ist das Windows-Netzwerkprotokoll – über SMB kannst du vom Windows-PC, Mac und sogar Android/iOS auf den NAS zugreifen.
SMB-Dienst aktivieren
Unter Dienste → SMB/CIFS → Einstellungen:
- Aktiviert: Ja
- Workgroup:
WORKGROUP(Standard für Windows-Heimnetz) - Speichern + Anwenden
Freigabe hinzufügen
Unter Dienste → SMB/CIFS → Freigaben → Hinzufügen:
- Aktiviert: Ja
- Freigegebener Ordner: z. B.
Dokumente - Öffentlich: Nein (Passwortschutz aktiv lassen)
- Schreibgeschützt: Nein
- Speichern + Anwenden
Verbindung vom PC
1 2 3 4 5 6 7 8 | # Windows: Explorer öffnen, in Adresszeile eingeben: 192.168.1.100Dokumente # macOS: Finder → Gehe zu → Mit Server verbinden: smb://192.168.1.100/Dokumente # Linux: sudo mount -t cifs //192.168.1.100/Dokumente /mnt/nas -o username=pi |
Benutzer und Berechtigungen verwalten
Unter Benutzer → Benutzer → Hinzufügen kannst du separate Accounts für verschiedene Personen anlegen. Jeder Benutzer bekommt Zugriff nur auf bestimmte freigegebene Ordner.
Berechtigungen setzt du unter Speicher → Freigegebene Ordner → [Ordner] → Berechtigungen. Hier regelst du für jeden Benutzer ob er lesen, schreiben oder keinen Zugriff hat.
Nützliche OMV-Plugins
OpenMediaVault lässt sich über Plugins erweitern. Die wichtigsten installierst du unter System → Plugins:
| Plugin | Funktion | Empfehlung |
|---|---|---|
| omv-extras | Zusätzliche Plugin-Quellen + Docker-Support | Pflicht – zuerst installieren |
| Docker / Portainer | Container-Verwaltung (Plex, Nextcloud, etc.) | Sehr empfohlen |
| Backup | Automatische Backups auf zweite Festplatte | Empfohlen |
| Wireguard VPN | Sicherer Fernzugriff von unterwegs | Empfohlen |
| ClamAV | Virenscanner für Netzwerkfreigaben | Optional |
omv-extras installieren (Voraussetzung für Docker)
1 2 3 4 5 | # Per SSH auf dem Pi: wget -O - https://github.com/OpenMediaVault-Plugin-Developers/packages/raw/master/install | sudo bash # Danach OMV neu laden und Docker unter # System → omv-extras → Docker installieren |
Integration mit Home Assistant
Der Raspberry Pi als NAS und als Home-Assistant-Server ergänzen sich ideal. Auf zwei separaten Pis oder auf einem Pi mit Docker kannst du:
- HA-Backups auf dem NAS speichern: HA-Einstellungen → System → Backups → Netzwerkspeicher hinzufügen → SMB-Freigabe des NAS eintragen
- Medienserver (Jellyfin/Plex) per Docker: Läuft auf dem NAS-Pi, Filme und Musik über HA Media-Player steuern
- Zigbee2MQTT-Daten sichern: Z2M-Konfigurationsordner automatisch per Cron auf den NAS sichern
Home Assistant Backup auf NAS einrichten
1 2 3 4 5 6 | # In Home Assistant: # Einstellungen → System → Speicher → Netzwerkspeicher hinzufügen # Protokoll: SMB # Server: 192.168.1.100 # Freigabename: Backup # Benutzername + Passwort des NAS-Benutzers |
Troubleshooting
Festplatte wird nicht erkannt
Prüfe zunächst per SSH ob das Laufwerk überhaupt erkannt wird:
1 2 | lsblk # Alle Blockgeräte anzeigen dmesg | tail # Letzte Kernel-Meldungen (USB-Erkennungsfehler sichtbar) |
Ursache ist meist mangelnde Stromversorgung. Nutze ein aktives USB-Hub oder ein Netzteil mit min. 5V/3A für den Pi 5.
SMB-Freigabe nicht erreichbar vom Windows-PC
Windows 11 deaktiviert standardmäßig SMB1. Stelle in OMV unter Dienste → SMB → Einstellungen → Minimum SMB-Protokoll auf SMB2. Prüfe außerdem ob die Windows-Firewall den Zugriff blockiert.
OMV-Oberfläche nicht erreichbar nach Update
1 2 3 4 5 | # Dienst neu starten: sudo systemctl restart openmediavault-webgui # Nginx-Konfiguration prüfen: sudo nginx -t |
SD-Karte voll / OMV startet nicht mehr
OMV-Logs können die SD-Karte füllen. Aufräumen:
1 2 3 | sudo journalctl --vacuum-size=100M # Logs auf 100 MB begrenzen sudo apt autoremove && sudo apt clean df -h # Speicherplatz prüfen |
FAQ
Kann ich Home Assistant und OpenMediaVault auf demselben Raspberry Pi betreiben?
Technisch ja, aber nicht empfohlen. Home Assistant OS belegt das gesamte System und lässt keine parallele OMV-Installation zu. Die saubere Lösung: zwei separate Pis, oder Home Assistant als Docker-Container auf dem OMV-Pi betreiben.
Wie groß sollte die Festplatte für ein Heimnetz-NAS sein?
Für Fotos, Dokumente und Backups eines durchschnittlichen Haushalts reichen 1–2 TB. Für Videoarchive oder Medienserver plane 4–8 TB ein. Wichtig: Kaufe immer mehr als du aktuell brauchst – Nachrüsten ist beim Pi aufwändiger als beim echten NAS.
Ist der Raspberry Pi als NAS sicher genug?
Für ein Heimnetz ohne Internetzugang: ja. Für Internetzugang von außen: nur mit VPN (WireGuard-Plugin) und nie mit offenen Ports. Lass den NAS niemals direkt aus dem Internet erreichbar – nutze stattdessen VPN-Tunneling.
Was passiert bei einem Stromausfall?
ext4 hat ein Journal und übersteht kurze Stromausfälle in der Regel ohne Datenverlust. Für kritische Daten empfehle ich eine USV (unterbrechungsfreie Stromversorgung) oder zumindest regelmäßige Backups auf ein zweites Laufwerk.
Kann ich den NAS auch von unterwegs erreichen?
Ja – mit dem WireGuard VPN-Plugin. WireGuard richtest du auf dem Pi ein, öffnest einen Port im Router (UDP, z. B. 51820) und verbindest dich vom Handy per WireGuard-App. Kein Cloud-Dienst, kein Abo, vollständig privat.
Wie mache ich ein Backup des NAS selbst?
Die 3-2-1-Backup-Regel: 3 Kopien, auf 2 verschiedenen Medien, 1 davon außerhalb des Hauses. Praktisch: tägliches Backup auf eine zweite USB-SSD (OMV-Backup-Plugin), wöchentliches Backup auf eine externe Festplatte die du rotierst.
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