WLAN Kamera ohne Cloud in Home Assistant - Reolink und Frigate NVR mit lokaler Objekterkennung

WLAN Kamera ohne Cloud – Reolink und Frigate in Home Assistant

Überwachungskameras senden eure Videoaufnahmen standardmäßig in die Cloud des Herstellers – ob ihr wollt oder nicht. Mit Home Assistant und Frigate läuft alles lokal: Aufzeichnung, Bewegungserkennung, KI-Objekterkennung und Benachrichtigungen – kein Cloud-Abo, kein Datenschutzproblem, kein Single Point of Failure.

In dieser Anleitung zeige ich euch zwei Wege: Den schnellen Weg mit der nativen Reolink-Integration in Home Assistant und den mächtigen Weg mit Frigate NVR für lokale KI-Erkennung. Reolink-Kameras eignen sich für beide Setups – und funktionieren auch ohne Internetverbindung vollständig.

Hardware: Welche Kamera?

Nicht jede WLAN-Kamera lässt sich sauber ohne Cloud betreiben. Reolink gehört zu den wenigen Herstellern, bei denen das wirklich funktioniert: lokaler RTSP-Stream, direkte HA-Integration, kein erzwungenes Cloud-Konto.

KameraAnschlussAuflösungFür wen
Reolink RLC-810APoE (Kabel)4K / 8 MPAußenbereich, stabiles Netz
Reolink E1 ProWLAN5 MPInnen, flexibel platzierbar
Reolink Argus 3 ProAkku + Solar4KOhne Stromanschluss

Tipp für PoE-Kameras: Ein PoE-Switch (z. B. TP-Link 8-Port PoE) ermöglicht Strom und Netzwerk über ein einziges Kabel – deutlich zuverlässiger als WLAN für Kameras im Außenbereich.

Vorbereitung: Kamera vom Internet trennen

Damit die Kamera wirklich ohne Cloud läuft, sperrt ihr in eurem Router den Internetzugang für die Kamera-IP. In den meisten Routern (FRITZ!Box, Unifi, OpenWRT) geht das über eine Firewall-Regel oder den Kindersicherungs-Modus.

Die Reolink-App funktioniert im lokalen Netz weiterhin – nur der Remote-Zugriff von außen entfällt. Für Fernzugriff nutzt ihr stattdessen Home Assistant über Nabu Casa oder VPN.

Weg 1: Reolink nativ in Home Assistant einbinden (einfach)

Seit HA 2023.x gibt es eine offizielle Reolink-Integration. Kein RTSP-Fummelei, kein HACS nötig – einfach die Kamera per IP hinzufügen.

Schritt 1: Benutzer in der Kamera anlegen

Öffnet die Reolink-App oder das Web-Interface eurer Kamera (http://[Kamera-IP]). Legt unter System → Benutzerverwaltung einen neuen Benutzer an (nicht admin) mit einem sicheren Passwort. Dieser Account wird für HA verwendet.

Schritt 2: RTSP und lokalen Zugriff aktivieren

Unter Netzwerk → Erweiterte Einstellungen aktiviert ihr:

  • RTSP (Port 554)
  • HTTP (Port 80) oder HTTPS (Port 443)

Schritt 3: Integration in Home Assistant

  1. Geht zu Einstellungen → Geräte & Dienste → Integration hinzufügen
  2. Sucht nach Reolink
  3. Gebt IP-Adresse, Benutzername und Passwort ein
  4. Home Assistant erkennt Modell und verfügbare Streams automatisch

Nach der Einrichtung stehen euch folgende Entitäten zur Verfügung: Live-Stream, Bewegungsmelder-Sensor, Nacht-Modus-Schalter, PTZ-Steuerung (bei unterstützten Modellen) und Snapshot-Service.

Live-Bild auf dem Dashboard anzeigen

Fügt auf eurem HA-Dashboard eine Bild-Karte hinzu und wählt den Stream eurer Kamera. Für flüssige Streams empfiehlt sich go2rtc als Proxy – es wird mit dem Frigate Add-on automatisch mitinstalliert, lässt sich aber auch separat als HA-Add-on einrichten.

Weg 2: Frigate NVR – lokale KI-Objekterkennung

Frigate ist ein lokal laufender NVR (Network Video Recorder) mit eingebautem Machine-Learning. Es erkennt Personen, Autos, Hunde, Pakete – ohne Cloud, ohne Abo. Die Ergebnisse landen direkt in Home Assistant als Sensoren und Ereignisse.

Was Frigate kann (und was nicht)

FunktionFrigateNur Reolink nativ
Live-Stream in HA
Bewegungserkennung✅ (KI-basiert)✅ (kamerabasiert)
Objektklassen (Person, Auto…)
Daueraufzeichnung / Clips❌ (nur Kamera-SD)
Snapshot bei Ereignis
Rechenleistung nötigMittel–hoch (RPi 4/5 oder Coral)Minimal

Schritt 1: MQTT Broker installieren

Frigate kommuniziert mit Home Assistant über MQTT. Installiert zuerst den Mosquitto Broker:

  1. Geht zu Einstellungen → Add-ons → Add-on-Store
  2. Sucht nach Mosquitto broker und installiert ihn
  3. Startet den Broker und aktiviert Beim Start starten
  4. In HA unter Einstellungen → Geräte & Dienste erscheint MQTT automatisch – konfigurieren klicken

Schritt 2: Frigate Add-on installieren

  1. Geht zu Einstellungen → Add-ons → Add-on-Store → drei Punkte → Repositories
  2. Fügt folgendes Repository hinzu:
https://github.com/blakeblackshear/frigate-hass-addons
  1. Nach dem Reload erscheint Frigate und Frigate (Full Access) im Store
  2. Installiert Frigate (Full Access) – nur diese Variante kann auf USB-Geräte (Google Coral) zugreifen
  3. Aktiviert: Watchdog, Autostart, In Seitenleiste anzeigen
  4. Gesicherter Modus deaktivieren (Pflicht für Full Access)

Schritt 3: Frigate konfigurieren (frigate.yml)

Öffnet das Frigate Add-on und wechselt zur Konfiguration. Hier eine minimale Grundkonfiguration für eine Reolink-Kamera:

mqtt:
  enabled: true
  host: 192.168.1.10   # IP eures HA / Mosquitto Broker
  user: homeassistant
  password: euer_mqtt_passwort

cameras:
  eingang:                # Name der Kamera (nur Kleinbuchstaben, keine Leerzeichen)
    ffmpeg:
      inputs:
        - path: rtsp://nutzer:passwort@192.168.1.50:554/h264/ch1/sub/av_stream
          roles:
            - detect
        - path: rtsp://nutzer:passwort@192.168.1.50:554/h264/ch1/main/av_stream
          roles:
            - record
    detect:
      enabled: true
      width: 640
      height: 480
      fps: 5
    record:
      enabled: true
      retain:
        days: 7
        mode: motion
    snapshots:
      enabled: true
      retain:
        default: 14
    objects:
      track:
        - person
        - car
        - dog

Speichert die Konfiguration und startet das Add-on. Die Frigate-Oberfläche ist dann über die Seitenleiste erreichbar.

RTSP-URLs für Reolink: Das genaue URL-Schema hängt vom Modell ab. Testet die URL zuerst mit VLC (Medien → Netzwerk-Stream öffnen) bevor ihr sie in Frigate eintragt.

Reolink-ModellMain-Stream URLSub-Stream URL
RLC-810A, RLC-510A (PoE)…:554/h264/ch1/main/av_stream…:554/h264/ch1/sub/av_stream
E1 Pro, E1 Outdoor (WLAN)…:554/h264Preview_01_main…:554/h264Preview_01_sub

Schritt 4: Frigate-Integration in Home Assistant (HACS)

  1. Installiert HACS falls noch nicht vorhanden
  2. In HACS → Integrationen sucht nach Frigate (Autor: blakeblackshear)
  3. Installiert die Integration und startet HA neu
  4. Geht zu Einstellungen → Geräte & Dienste → Integration hinzufügen → Frigate
  5. URL eingeben: http://ccab4aaf-frigate-fa:5000 (bei Full Access Add-on)

Nach der Integration erscheinen pro Kamera automatisch:

  • Binärsensor für Bewegung (binary_sensor.eingang_motion)
  • Sensor für erkannte Objekte (sensor.eingang_person_count)
  • Kamera-Entität mit Live-Stream
  • Ereignisse für erkannte Objekte (für Automationen)

Automation: Benachrichtigung mit Snapshot bei Person

automation:
  - alias: "Frigate: Person erkannt – Snapshot senden"
    trigger:
      - platform: mqtt
        topic: frigate/events
        payload: "person"
        value_template: "{{ value_json.after.label }}"
    condition:
      - condition: template
        value_template: "{{ trigger.payload_json.type == 'new' }}"
    action:
      - service: notify.mobile_app_euer_smartphone
        data:
          title: "Person erkannt!"
          message: "Kamera: {{ trigger.payload_json.after.camera }}"
          data:
            image: "http://[HA-IP]:8123{{ trigger.payload_json.after.thumb_path }}"

Optional: Google Coral USB für schnellere Erkennung

Ohne Coral rechnet Frigate auf der CPU – das macht 50–90 % Auslastung auf einem Raspberry Pi 4 bei einer Kamera. Mit dem Google Coral USB Accelerator sinkt die CPU-Last auf unter 10 %, und die Erkennungsgeschwindigkeit steigt deutlich.

Aktivierung in frigate.yml:

detectors:
  coral:
    type: edgetpu
    device: usb

Wichtig: Das Frigate Full Access Add-on ist Voraussetzung. Beim Raspberry Pi den Coral an einen USB-3-Port stecken (blauer Anschluss).

Fehlerbehebung

ProblemUrsacheLösung
Kein Bild / „no frames“RTSP-URL falsch oder Kamera nicht erreichbarURL mit VLC testen, Kamera-IP pingen, RTSP in Kamera-Einstellungen aktivieren
Frigate startet nichtYAML-Fehler in frigate.ymlStudio Code Server Add-on installieren, YAML auf Einrückungsfehler prüfen
Keine Ereignisse in HAMQTT nicht verbundenMosquitto Broker-Status prüfen, Host-IP in frigate.yml kontrollieren
Festplatte läuft vollrecord: mode: all statt motionmode: motion setzen, retain_days reduzieren oder NAS/NFS-Mount einrichten
Zu viele FehlalarmeErkennungsschwelle zu niedrigIn frigate.yml threshold: 0.7 unter objects setzen, Erkennungszone einschränken
Reolink-Integration taucht nicht aufKamera nicht im lokalen Netz erreichbarKamera-IP anpingen (ping [IP]), ggf. feste IP in Router vergeben

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Häufige Fragen

Muss ich Reolink-Kameras zwingend mit Frigate kombinieren?

Nein. Die native Reolink-Integration in Home Assistant reicht für viele Anwendungsfälle: Live-Stream, Bewegungsmeldung, Snapshot. Frigate lohnt sich zusätzlich, wenn ihr KI-basierte Objekterkennung oder zentrale Aufzeichnung auf einer Festplatte wollt.

Kann ich andere Kamera-Marken mit Frigate nutzen?

Ja – jede Kamera mit RTSP-Stream funktioniert mit Frigate. Das gilt für Hikvision, Dahua, Annke, Amcrest und viele weitere. Die RTSP-URL findet ihr in der Kamera-Dokumentation oder über Tools wie ONVIF Device Manager.

Wie viel Speicher brauche ich für die Aufzeichnung?

Das hängt von der Aufzeichnungsart ab: Mit mode: motion und 4 Tagen Aufbewahrung verbraucht eine 5-MP-Kamera ca. 20–40 GB pro Woche. Für mehrere Kameras oder längere Aufbewahrung empfiehlt sich ein NAS oder eine externe Festplatte per NFS-Mount.

Funktioniert Frigate auf einem Raspberry Pi 4?

Ja, für 1–2 Kameras ohne Coral ist ein Raspberry Pi 4 mit 4 GB RAM ausreichend. Mit Google Coral USB Accelerator sinkt die CPU-Last drastisch und es lassen sich problemlos 4–6 Kameras betreiben.

Kann ich Frigate ohne Home Assistant nutzen?

Frigate läuft eigenständig als Docker-Container und hat eine eigene Web-Oberfläche. Die Integration mit Home Assistant über HACS ist aber der komfortabelste Weg: Ereignisse, Automationen und das Dashboard laufen dann zentral in HA.

Was passiert mit meinen Aufnahmen wenn das Internet ausfällt?

Gar nichts – Frigate läuft vollständig lokal. Bei Internet-Ausfall laufen Aufzeichnung und Objekterkennung normal weiter. Nur Push-Benachrichtigungen aufs Smartphone funktionieren nicht (brauchen eine Internetverbindung für den Notification-Service).

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