Home Assistant auf Raspberry Pi installieren

Home Assistant auf dem Raspberry Pi installieren – Schritt-für-Schritt-Anleitung 2025

Ihr wollt euer Smart Home selbst in der Hand haben – ohne monatliche Abogebühren und ohne eure Daten in der Cloud zu lassen? Dann ist Home Assistant auf dem Raspberry Pi genau das Richtige für euch. In dieser Anleitung zeige ich euch, wie ihr Home Assistant OS in weniger als 30 Minuten auf einem Raspberry Pi 4 oder 5 installiert – von der Hardware-Auswahl bis zum ersten Login im Dashboard.

Wenn ihr noch ganz am Anfang steht und wissen wollt, welche Smart Home Plattformen und Protokolle es überhaupt gibt, schaut vorher in unseren Artikel Smart Home einrichten – der komplette Guide 2025.

1. Was ihr braucht – die Hardware-Liste

Für eine zuverlässige Home Assistant-Installation empfehle ich folgende Hardware:

KomponenteEmpfehlungLink
Raspberry Pi 5 (4 GB)Hauptplatine – empfohlenAmazon
Raspberry Pi 4 (4 GB)Günstigere AlternativeAmazon
microSD-Karte 32 GB (A2)Für Standardinstallation (Pi 4 & 5)Amazon
Raspberry Pi M.2 HAT+Nur Pi 5 – für NVMe-SSD (optional, sehr empfohlen)Amazon
NVMe SSD M.2 256 GBNur Pi 5 mit HAT+ (optional)Amazon
Offizielles Netzteil 27W USB-CPi 5 braucht unbedingt das offizielle NetzteilAmazon
Gehäuse mit aktivem KühlerFür Pi 5 empfohlen (wird warm)Amazon
Ethernet-Kabel Cat.6Für die Installation zwingend erforderlichAmazon
Sonoff Zigbee 3.0 USB Dongle PlusOptional – für Zigbee-GeräteAmazon

Wichtig: Für die erste Installation braucht ihr unbedingt ein Ethernet-Kabel. WLAN kann erst nach dem ersten erfolgreichen Start konfiguriert werden.

2. Welche Home Assistant-Variante passt zu euch?

Es gibt drei Möglichkeiten, Home Assistant auf dem Raspberry Pi zu betreiben:

VarianteBeschreibungAdd-onsFür wen?
Home Assistant OS (HAOS)Komplettes Betriebssystem, nur für HAJa (vollständig)Einsteiger & Fortgeschrittene – empfohlen
Home Assistant ContainerDocker-Container auf bestehendem OSNeinNutzer, die bereits Docker betreiben
Home Assistant CorePython-Installation, manuellNeinNur für Entwickler

In dieser Anleitung installieren wir Home Assistant OS – das ist die empfohlene Methode, weil sie Add-ons, automatische Updates und Backups out-of-the-box unterstützt.

3. Home Assistant OS installieren – Schritt für Schritt

Schritt 1: Raspberry Pi Imager herunterladen

Ladet den offiziellen Raspberry Pi Imager herunter und installiert ihn auf eurem Computer. Er ist kostenlos und für Windows, macOS und Linux verfügbar.

Schritt 2: microSD-Karte einlegen

Legt die microSD-Karte (mindestens 32 GB, Klasse A2 empfohlen) in euren Kartenleser ein. Achtung: Alle bestehenden Daten auf der Karte werden beim Beschreiben gelöscht!

Schritt 3: Home Assistant OS im Imager auswählen

  1. Öffnet den Raspberry Pi Imager
  2. Wählt euer Gerät aus (Raspberry Pi 5 oder 4)
  3. Klickt auf „OS wählen“
  4. Scrollt zu „Other specific-purpose OS“
  5. Wählt „Home assistants and home automation“
  6. Wählt „Home Assistant“
  7. Wählt die passende Version für euren Pi:
    • Raspberry Pi 5: Home Assistant OS (RPi5/64)
    • Raspberry Pi 4: Home Assistant OS (RPi4/64)
    • Raspberry Pi 3: Home Assistant OS (RPi3/64)

Schritt 4: SD-Karte beschreiben

  1. Klickt auf „Storage“ und wählt eure microSD-Karte aus
  2. Klickt auf „Weiter“ – ihr müsst hier keine erweiterten Einstellungen anpassen
  3. Bestätigt den Schreibvorgang mit „Yes“

Das Beschreiben dauert je nach Geschwindigkeit der SD-Karte 5–15 Minuten. Nach Abschluss zeigt der Imager eine Erfolgsmeldung.

Schritt 5: Raspberry Pi starten

  1. Steckt die beschriebene SD-Karte in den Raspberry Pi
  2. Verbindet den Pi mit einem Ethernet-Kabel mit eurem Router
  3. Steckt das Netzteil an

Der erste Bootvorgang dauert etwa 5–10 Minuten. Home Assistant lädt beim ersten Start noch weitere Komponenten herunter – das ist normal.

Schritt 6: Im Browser öffnen

Öffnet einen Browser auf einem Gerät im gleichen Netzwerk und gebt folgende Adresse ein:

Falls diese Adresse nicht funktioniert (z.B. weil mDNS in eurem Netzwerk nicht verfügbar ist), schaut in der Fritzbox-Oberfläche unter Heimnetz → Netzwerk nach der IP-Adresse des Pi und verbindet euch direkt:

Ihr solltet die Home Assistant Willkommensseite sehen und könnt mit dem Onboarding beginnen.

4. Alternativmethode: Home Assistant auf NVMe SSD (Raspberry Pi 5)

Wer langfristig plant, sollte auf dem Raspberry Pi 5 zusätzlich das offizielle M.2 HAT+ mit einer NVMe SSD einsetzen. Der Geschwindigkeitsunterschied ist erheblich:

StorageBackup-Dauer (500 MB)Dashboard-LadezeitHaltbarkeit
microSD (A2, Pi 4)~2 Minuten3–5 SekundenMittel (wear out nach 1–3 Jahren)
USB-SSD (Pi 4, USB 3.0)~45 Sekunden1–2 SekundenHoch
NVMe SSD (Pi 5 + HAT+)~15 Sekunden<1 SekundeSehr hoch

NVMe-Installation – so geht’s

  1. Steckt die NVMe-SSD in das M.2 HAT+ und befestigt den HAT+ auf dem Raspberry Pi 5
  2. Installiert Home Assistant OS zunächst normal auf einer SD-Karte (wie in Schritt 3 beschrieben)
  3. Nach dem ersten erfolgreichen Start: Geht zu Einstellungen → System → Storage
  4. Klickt auf „Move data disk“ und wählt eure NVMe-SSD aus
  5. Home Assistant migriert automatisch – der Vorgang dauert 15–30 Minuten

Nach dem Neustart läuft Home Assistant von der NVMe-SSD. Die SD-Karte bleibt als Boot-Medium im Pi, kann aber eine günstigere sein.

5. Das Onboarding – erste Einrichtung

Nach dem ersten Aufruf von homeassistant.local:8123 startet der Onboarding-Prozess. Das geht schnell:

  1. Benutzer anlegen: Name, Benutzername und ein sicheres Passwort eingeben. Dieses Konto ist der Administrator – merkt euch die Zugangsdaten gut.
  2. Standort festlegen: Sucht nach eurer Stadt oder klickt auf die Karte. Home Assistant nutzt den Standort für Sonnenaufgangs-/Sonnenuntergangsautomatisierungen und Wetter.
  3. Telemetrie: Anonyme Nutzungsdaten teilen – optional, kann abgelehnt werden.
  4. Automatisch erkannte Geräte: HA scannt euer Netzwerk und zeigt gefundene Geräte (z.B. FRITZ!Box, Philips Hue Bridge, Chromecast) an. Klickt auf „Einrichten“ bei den gewünschten Geräten.

Nach dem Onboarding landet ihr auf dem Overview Dashboard, das eure Geräte automatisch nach Raum sortiert anzeigt.

6. Erste Integrationen einrichten

Integrationen verbinden Home Assistant mit euren Smart Home Geräten. Neue Integrationen findet ihr unter:

Einstellungen → Geräte & Dienste → + Integration hinzufügen

Besonders beliebte Einstiegs-Integrationen:

  • FRITZ!Box: Netzwerkübersicht, Anwesenheitserkennung via Handy-WLAN
  • Philips Hue: Wird automatisch erkannt wenn die Hue Bridge im Netzwerk ist
  • MQTT: Für Zigbee2MQTT, Tasmota-Geräte und andere IoT-Geräte
  • Shelly: Shelly-Steckdosen und Schalter direkt einbinden
  • ESPHome: Eigene DIY-Geräte auf ESP32/ESP8266-Basis

Für Zigbee-Geräte (IKEA Tradfri, Aqara Sensoren, Sonoff-Schalter) steckt einfach den Sonoff Zigbee 3.0 USB Dongle Plus in den Pi und installiert das Zigbee2MQTT Add-on. Eine ausführliche Anleitung dazu folgt demnächst hier auf smarthome-praxis.de.

7. WLAN einrichten (optional)

Wenn ihr den Pi nach der Installation ohne Ethernet betreiben wollt, richtet WLAN wie folgt ein:

  1. Geht zu Einstellungen → System → Netzwerk
  2. Klickt auf das WLAN-Interface
  3. Tragt eure SSID und das WLAN-Passwort ein und bestätigt

Empfehlung: Betreibt Home Assistant wenn möglich immer per Ethernet. Das sorgt für eine deutlich stabilere Verbindung und verhindert Probleme mit zeitkritischen Automatisierungen.

8. Troubleshooting

ProblemUrsacheLösung
homeassistant.local:8123 nicht erreichbarmDNS funktioniert im Netzwerk nichtIP-Adresse direkt nutzen – aus Fritzbox auslesen (Heimnetz → Netzwerk)
Seite zeigt „Bitte warten“ für sehr lange ZeitErster Boot lädt noch Updates (5–10 Min.)10 Minuten warten, dann Seite neu laden
Pi startet nicht / keine LED-AktivitätSD-Karte falsch beschrieben oder defektSD-Karte nochmals mit Imager beschreiben; auf A2-SD-Karte achten
Pi startet, aber kein NetzwerkKein Ethernet-Kabel angeschlossenEthernet-Kabel anstecken – WLAN funktioniert beim ersten Boot nicht
Raspberry Pi 5 startet nicht von NVMeBootloader-Version zu alt oder falsche Boot-ReihenfolgeZuerst von SD-Karte booten, dann via Storage-Tab auf NVMe migrieren
Netzteil-Warnung im DashboardNetzteil liefert zu wenig Strom (unter 5V/5A)Offizielles Raspberry Pi 5 Netzteil (27W USB-C) verwenden
Integrationen werden nicht automatisch erkanntGerät befindet sich in einem anderen NetzwerksegmentPi und Smart-Home-Geräte müssen im gleichen Subnetz sein
Add-ons lassen sich nicht installierenHome Assistant Supervised oder Core statt OSAdd-ons sind nur in HAOS verfügbar – ggf. neu installieren

9. Fazit

Home Assistant auf dem Raspberry Pi zu installieren ist viel einfacher als viele denken. Mit dem Raspberry Pi Imager und dieser Anleitung seid ihr in unter 30 Minuten startklar. Für den Einstieg empfehle ich den Raspberry Pi 5 mit 4 GB RAM und einer schnellen A2-microSD-Karte. Wer dauerhaft plant, sollte zusätzlich das M.2 HAT+ mit einer NVMe SSD in Betracht ziehen – der Unterschied bei Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit ist enorm.

Im nächsten Artikel zeige ich euch, wie ihr Zigbee-Geräte über Zigbee2MQTT in Home Assistant einbindet.

FAQ – Häufige Fragen

Kann ich Home Assistant auch auf einem Raspberry Pi 3 installieren?

Ja, Home Assistant OS unterstützt auch den Pi 3 (64-Bit). Allerdings ist der Pi 3 inzwischen recht langsam für aktuelle HA-Versionen. Mit vielen Integrationen und Add-ons kann es zu Performance-Problemen kommen. Ein Pi 4 oder 5 ist deutlich empfehlenswerter.

Brauche ich für die Installation zwingend ein Ethernet-Kabel?

Ja, für den ersten Boot ist Ethernet Pflicht. Home Assistant OS konfiguriert beim ersten Start noch keine WLAN-Verbindung. WLAN lässt sich erst danach im Dashboard unter Einstellungen → System → Netzwerk einrichten.

Kann ich Home Assistant nach der Installation noch auf eine SSD umziehen?

Ja, das geht ganz einfach. Home Assistant OS bietet unter Einstellungen → System → Storage die Funktion „Move data disk“. Beim Pi 5 könnt ihr auf NVMe umziehen, beim Pi 4 auf eine externe USB-SSD. Eure Daten und Konfiguration bleiben dabei erhalten.

Wie aktualisiere ich Home Assistant?

Updates erscheinen automatisch als Benachrichtigung im Dashboard. Ein Klick auf „Update“ reicht – HA erstellt vorher automatisch ein Backup. Ihr könnt Updates auch manuell unter Einstellungen → System → Updates anstoßen.

Verliere ich meine Konfiguration bei einem Update?

Nein. Home Assistant erstellt vor jedem Update automatisch ein Backup. Ihr könnt Backups zusätzlich manuell anlegen und auf einem NAS, Google Drive oder Dropbox sichern. Eine Rollback-Option ist ebenfalls vorhanden.

Wie viele Geräte kann Home Assistant auf dem Raspberry Pi verwalten?

Home Assistant ist sehr skalierbar. Installationen mit 500+ Geräten und 100+ Automatisierungen sind normal. Auf einem Raspberry Pi 5 mit NVMe-SSD läuft das problemlos. Wer sehr viele Add-ons oder lokale KI-Modelle betreiben möchte, sollte den Pi 5 mit 8 GB RAM wählen.